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Subjektiv

Durch meine im September begonnene Mitarbeit beim Wiki bekomme ich wieder Lust, auch hier wieder über Uhren zu publizieren. Und zwar in dem Stil, der die dort gepflegte nüchterne Sachlichkeit (es handelt sich ja dabei um kein Journal, sondern um eine Datensammlung und Enzyklopädie) ergänzt und transzendiert: rein subjektiv, ganz nach eigener Lust und Laune und mit den Modellen und Themen, die mich gerade am meisten inspirieren. Dazu gehört eben auch das Werten, etwas, das in Deutschland immer irgendwie verpönt ist und schnell Widerspruch und Diskussionen auf sich zieht, so als müßte man sich für jede eigene Betrachtung rechtfertigen und sie auf einen allgemein übereingestimmten Konsenz zurückstutzen oder gar, wenn es allzu privat empfunden ist, ganz unterdrücken.

Aber ohne dieses Werten könnte ich auch keine Qualität wahrnehmen. Qualität ist ja gerade nichts anderes als Wert, und Wert wiederum ist etwas, das jeder für sich als wertvoll und gut empfindet. Wieso das überhaupt rechtfertigen müssen? Und nur durch Werten wird die Unterscheidung zwischen dem, was einen anspricht und dem, was einen nicht anspricht, getroffen. Was inspiriert einen — was gibt einem die Empfindung von Schönheit, von Eleganz, von Raffinesse und von guter handwerklicher Arbeit?

Da habe ich schon seit dem Sommer diese schönen Bilder und Unterlagen von Baume & Mercier liegen, einmal zur William Baume Collection und einmal zur neuen Riviera-Linie. Großartige Fotos von großartigen Uhren. Nur weil ich hier subjektiv begeistert reagiere, entsteht bei mir auch der Wunsch, darüber zu schreiben, mir die Arbeit mit den Webseiten zu machen, Texte und Fotos einzustellen und meine Entdeckungen gebührend zu präsentieren. Für mich selbst genauso wie für jeden, der daran teilhaben und sich ebenfalls inspirieren lassen mag. Gut, daß es immer wieder solche Uhren gibt!

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Pequignet

Nach eineinhalbjähriger Pause habe ich wieder Spaß daran, hier im ZEITGEFÜHL weiterzuschreiben und Uhrenmodelle vorzustellen, die mir gut gefallen und mich inspirieren. Zuerst einmal muß ich ganz ehrlich zugeben, daß mich die äußere Gestaltung bei den in den letzten beiden Jahren erschienenen Modellen nicht mehr begeistert hatte. Die Uhren wurden immer klobiger, der Stil schwerfälliger und plumper, was zählte, war die schiere Größe und das martialische äußere Auftreten (vielleicht passend zum Zeitgeist, wo mich genau dasselbe abstößt, übrigens auch am panzerähnlichen Erscheinungsbild vieler Auto-Neuerscheinungen abzulesen, die entgegen jeglicher Vernunft wieder mehr statt weniger Benzin verbrauchen). Hauptsache man sah die Uhr von weitem und gewann den Eindruck, daß ihr Besitzer ein ganz forscher, auftrumpfender Mensch sei. Vorbei das feine, klassische Stilempfinden der Uhrenrenaissance zu Zeiten der 90er Jahre, vorbei die zierlichen Zeiger, die guillochierten Zifferblätter, die eleganten Ziffern und Indexe — nun war rustikale „Keilschrift“ gefragt, und alles ähnelte frappant den Billig- und Popuhren zu 20 oder 30 Euro, nur daß man ein Mechanikwerk drinhatte und viel mehr für das ganze Ding zahlen mußte.

Aber bei den Zusendungen der Uhrenfirmen, die in letzter Zeit hier eintrudelten, fanden sich auf einmal wieder andere Erscheinungsbilder. Ich habe Materialien von Vacheron Constantin, Baume & Mercier, TAG Heuer und Pequignet bekommen, die durchaus wieder hoffen lassen. Ich war ganz verwundert, weil mir die meisten der dort abgebildeten Modelle auf einmal wieder gefielen. Vielleicht hat es mit der Plumpheit doch wieder ein Ende, und es kehrt vielleicht doch wieder eine gewisse Musikalität und spritzige Leichtigkeit ins Uhrendesign zurück. Jedenfalls reizt es mich, von neuem mit dem Verfassen von Uhrenbeiträgen zu beginnen — obwohl es, wie immer, fürchterlich viel Arbeit macht und jedesmal ein Vielfaches der ursprünglich veranschlagten Zeit beansprucht. Aber wenn die Uhren gut und interessant sind, dann ist es das auch wert!

Begonnen habe ich gestern mit Pequignet. Und ergeben hat sich das so: Mich schrieb Sonja Köneke, Inhaberin von Elitesse Media & PR an, die seit August 2006 die Pressearbeit für diesen Uhren- und Schmuckhersteller aus der französischen Schweiz übernommen hat. Und dann stellte sich heraus, daß wir hier in Bogenhausen nahezu Nachbarn sind. (Auch bezüglich anderer Uhrenadressen habe ich festgestellt, daß die Entfernungen in München verblüffend nah sind.) Bei einem Mittagessen am Prinzregentenplatz unterhielten wie uns angeregt über die Uhrenmaterie und tauschten Ideen aus. Freundlicherweise erhielt ich großzügige Unterstützung bei der Beschaffung von Material und Informationen, so daß ich bei meinem neuen Beitrag aus dem vollen schöpfen konnte.

Pequignet Moorea Chronograph

Auf der Webseite von Elitesse steht u.a. folgendes Zitat von Alexander Mitscherlich, dem bekannten Psychologen und Autor: „Glück ist das Zusammentreffen von Phantasie und Wirklichkeit.“ Dieses Motto kann ich nur voll bestätigen. Genau das ist der Geist, aus dem kreatives Arbeiten gespeist wird, und glücklich ist der, dessen Tätigkeiten davon erfüllt sind. Und das hier Gesagte gilt genauso für Uhren, denn: „Gute Uhren machen glücklich.“

(Bild mit freundlicher Genehmigung von Pequignet)

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